Förderung
Wir freuen uns auf Ihre Förderanträge!
Hier wird nach erfolgreichem Abschluss über Förderprojekte berichtet!
Laufende Projekte:
1. Das Tau-Protein
In einer Doktorarbeit an der Universität Halle-Wittenberg (UKH, Prof. Dr. med. Markus Otto) soll das Tau-Protein als potentieller (weiterer) Bio-Marker im Blut identifiziert werden, der die Erkennung von ALS ermöglicht und verbessert. Die Doris-Ruess-Stifung unterstützt hier bei der Finanzierung von Labormaterialien.
Aus dem Förderantrag:
“Das Tau-Protein ist ein Mikrotubuli assoziiertes Protein und ein bekannter Biomarker für die Neurodegeneration bei der Alzheimer-Krankheit. Tau wurde bei Amyotropher Lateralsklerose (ALS), als primär motorische neurodegenerative Erkrankung, mit widersprüchlichen Ergebnissen untersucht. Eine neuere Studie zeigte, dass phosphoryliertes Tau 181 (p-tau 181) im Blut von ALS-Patienten erhöht war, während die Liquorwerte unverändert blieben [1]. Erhöhtes p-tau 181 korreliert hierbei mit einer klinischen Schädigung des zweiten Motoneurons [2].
In einer kürzlich durchgeführten Studie (vorläufige Daten, under review) des neurologischen Labors in Halle unter der Leitung von Dr. med. Abu Rumeileh konnten wir das Vorhandensein von p-tau-Isoformen in Muskelbiopsien von ALS-Patienten nachweisen, diese waren primär in den atrophen Muskelfasern lokalisiert [3]. Wir fanden zwei zusätzliche Phosphorylierungsstellen, die in den Spleißvarianten des menschlichen Tau im zentralen Nervensystem nicht vorhanden sind und daher möglicherweise muskelspezifisch sind [4]. Für eine periphere Quelle des erhöhten Tau-Proteins bei ALS spricht zusätzlich die Korrelation mit der Schädigung des zweiten Motoneurons, die Korrelation mit Myoglobin und die fehlende Korrelation von Tau im Blut und im Liquor der Patienten. Damit könnten einige p-Tau-Isoformen ein potentieller Muskel-Biomarker für ALS sein.
Ziel: Zur weiteren Betrachtung dieser Hypothese ist die Erweiterung der Kohorte mit direkter Untersuchung von ZNS-spezifischen-Tau (brain-dedrived Tau) und die Immunpräzipitation ZNS-spezifischen-Tau mit vorheriger und nachfolgender Messung von p-Tau 181 und 217 am Serum von ALS Patienten geplant [5]. Hierfür wird ein Tau-Antikörper mit Bindung am Übergang von Exon 4 zu Exon 5 genutzt. Dieser ist spezifisch für ZNS-spezifisches Tau, da bei peripheren Tau ein zusätzliches Exon 4a vorhanden ist [6]. Die Messungen des phosphorylierten Tau 181 und 217 ZNS-spezifischen-Tau sollen mittels Single Molecule Array als ultrasensitiver digitaler ELISA durchgeführt werden.
Perspektivisch ist in der Zukunft zusätzlich die Etablierung eines muskelspezifischen Tau-Assays als standard und digital ELISAs mit den massenspektrometrisch nachgewiesenen muskelpezifischen Phosphorylierungsstellen (S438 und S439) geplant.”
2. Promotion zu Entzündungsvorgängen bei Motoneuronerkrankungen
Mit diesem Projekt fördert die Stiftung einen sehr spannenden Ansatz, der auch von neutraler fachlicher Seite als besonders förderungswürdig angesehen wurde.
Zitat aus dem Förderantrag:
“In meiner Promotionsarbeit (angelegt auf 3-4 Jahre) befasse ich mich mit Entzündungsvorgängen bei Motoneuronerkrankungen. In der Arbeitsgruppe von PD Dr. Martin Regensburger (Molekulare Neurologie und Stammzellbiologie am UK Erlangen) generiere ich Gehirn-Entzündungszellen (sog. Mikroglia) von ALS- Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen. Da es sich um eine sehr aufwändige Methode handelt, können hierbei nur Zellen von wenigen Betroffenen untersucht werden, mit initialem Schwerpunkt auf genetische ALS-Formen. Zum C9ORF72-Genotyp der ALS wurden hierzu kürzlich mehrere hochrangige Studien publiziert, was die Aktualität des Themas widerspiegelt (Banerjee et al., Sci Adv 2023; Lorenzini et al., Front Cell Neurosci 2023; Vahsen et al., Nat Commun 2023). Schließlich wurde kürzlich sogar beschrieben, dass die Aggregation von TDP-43 in transdifferenzierten peripheren Immunzellen von ALS-Betroffenen nachgewiesen werden konnte (Quek et al., J Neuroinflamm 2022). Die beantragten Fördermittel zielen darauf ab, diese Modellierung auf die größere Gruppe der nicht-genetischen ALS-Fälle auszuweiten, mit dem Ziel einer Identifikation immunologischer Subgruppen der ALS anhand von peripheren Blutmarkern. Hierzu wird zunächst die lokale Kohorte von ALS-Patienten und gesunden Kontrollpersonen aus der Ambulanz für Motoneuronerkrankungen herangezogen, wo von >40 Fällen pro Gruppe umfangreiche Biomaterialien (Serum, Plasma, periphere Immunzellen (PBMC), teils induziert-pluripotente Stammzellen) zusammen mit klinischen und genetischen Daten vorliegen. Aus den Serumproben werden mithilfe eines Multiplex-Immunoassays die wichtigsten Zytokine bestimmt, zusammen mit dem etablierten Biomarker der Erkrankungsaktivität (Leichtketten-Neurofilament, NfL). Ergänzend werden die verschiedenen Subtypen der PBMC, d.h. T- und B-Zell-Subpopulationen, durchflusszytometrisch quantifiziert. Die Integration dieser Daten erlaubt schließlich eine Stratifizierung der ALS-Kohorte anhand des peripheren Immunstatus.”
Dieses Projekt fördern wir in Verbindung mit der Universitätsklinik Erlangen im Rahmen eines “matching grant”. Das Projekt bekommen also zusätzlich zum Zuschuss noch einmal 50 % aus öffentlichen Mitteln.”
3. Einsatz von Virtueller Realität bei ALS-Patienten
“Die Pflege von PatientInnen mit ALS wird ambulant häufig durch Familienangehörige bewältigt. Dies geht einher mit ausgeprägten physischen und psychischen Belastungsfaktoren. Die PatientInnen benötigen im Verlauf der Erkrankung Unterstützung bei allen Aktivitäten des täglichen Lebens, wie beispielsweise beim Essen, Toilettengang oder sogar bei der Veränderung der Körperposition. Diese zunehmende Verantwortung und schwere körperliche Tätigkeit kann bei den pflegenden Angehörigen rasch zu einem Gefühl von Überforderung führen. Hinzu kommt, dass die Angehörigen oft Schwierigkeiten haben, den tödlichen Charakter der Erkrankung zu akzeptieren, häufig von Zukunftsängsten geplagt werden und auch Schuldgefühle aufkommen können. Die Pflege von ALS- PatientInnen hat somit Auswirkung auf die emotionale und körperliche Gesundheit der Pflegenden, auf deren soziales Leben und ihren finanziellen Status. […] Und auch die Möglichkeit, mit ALS in fortgeschrittenen Stadien weiter zu Hause leben zu können, hängt stark von dem Wohlbefinden der pflegenden Angehörigen ab. (Übersicht in de Wit et al. 2017) Deshalb möchten wir in dem hier vorgestellten Forschungsprojekt darüber hinaus überprüfen, ob auch die
Belastungssymptome der pflegenden Angehörigen, welche u.a. aus Angst, Trauer und Müdigkeit besteht, über die nicht-medikamentöse Therapieform der immersiven virtuellen Realität reduziert werden können. Wir hoffen, Daten zu generieren, die zu einer verbesserten Therapie von PatientInnen mit ALS und einer Reduktion der psychischen Belastung der pflegenden Angehörigen führen, ohne dass zusätzliche Medikamente eingesetzt werden müssen. In der Zukunft erhoffen wir uns im Falle eines Wirksamkeitsnachweises eine Implementierung in den klinischen Alltag und Finanzierung über die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen zu ermöglichen.”
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